RTB-Wanderung 2018

ab über die Hängebrücke

26.05.2018

RTB Wanderung 2018

Kastellaun vom 24. 05. - 27. 05.

von Udo Stollwerk

Hans-Peter Volkmer, Marion und Gerhard Flach, Renate Pelzer, Heike und Udo Stollwerk trafen sich bereits am Donnerstag zu einem gemeinsamen Wanderwochenende in Kastellaun im Hunsrück. Ich wollte einen weiteren Wandertag einrichten, aufgrund der Viel-zahl an schönen Wanderwegen. Wie trafen uns am Hotel Badische Amtskellerei. Kastellaun wurde erstmals im Jahre 1226 durch die Grafen von Sponheim erwähnt, der auf der mächtigen Burg oberhalb der Stadt residierte. 1305 erhielt Kastellaun die Stadtrechte. 1689 wurden die Burg und die Stadt durch Truppen Ludwigs des XIV zerstört. Die Gebäude unterhalb der Burg wurden komplett restauriert und beinhalten heute ein Museum. Zum weiteren gibt es eine Taverne für Feste aller Art, in der bis zu 168 Personen Platz finden. In einem Gewölbekeller unter der Burg kann man schmausen wie zu Ritters Zeiten.

Unser Hotel, die Badische Amtskellerei wurde im Jahre 1670 erbaut und diente einst den Markgrafen als Verwaltungsgebäude. In dem Gästehaus des Hotels, ein ehemaliges Pfarrhaus, waren die meisten Teilnehmer unserer Wandergruppe untergebracht. Dort gab es unterschiedliche Zimmer, keines glich dem anderen. Alle Zimmer waren schlicht, aber liebevoll eingerichtet. Zudem gab es zwei Apartments, die für Familien mit bis zu sechs Personen gedacht sind. Das Frühstück nahmen wir in einem Nebengebäude ein. Unter einem Dachgebälk, rustikal und urig zugleich, wurde ein Buffet aufgebaut, das keine Wünsche übrig ließ. Das Personal war sehr freundlich und immer bemüht uns zufrieden zu stellen. Selbst auf den Zimmern wurde täglich das Mineralwasser erneuert. Man musste sich hier einfach wohlfühlen. An dieser Stelle sei nochmals Danke an unseren ehemaligen Laufgefährten Karl-Horst gesagt, der mit seiner Frau Monika schon einmal dort war und uns diese Unterkunft empfohlen hatte.

Die bereits am Donnerstag angekommenen RTBler begannen das Wanderwochenende am Freitag mit der Traumschleife Dünnbachpfad, eine von über 100 ausgezeichneten Traum-schleifen um den Saar-Hunsrück-Steig. Wir fuhren zu einem ca. 15 km entfernten Ort mit Namen Zilshausen, in dem just an diesem Wochenende ein Sommerfest stattfand, wodurch eine Zufahrtstrasse gesperrt war. Nach einer kleinen Umleitung erreichten wir den Startpunkt. Der Einstieg war als Grillplatz ausgewiesen, dadurch waren ausreichend Parkplätze vorhanden. Gleich zu Beginn gab es eine lustige Abwechslung, die gerade bei Kindern für riesigen Spaß sorgt und damit eine Weile vom Wandern ablenkt. Eine Kugelbahn begleitete uns gut zwei Kilometer des Weges. Renate, wenn auch nicht mehr Kind, wollte es sich nicht nehmen lassen, die Bahn auf ihre Tauglichkeit zu testen. So zog sie zu Beginn am Automaten eine Holzkugel, die den Lauf der Rinne bis hin zu gewollten Abbrüchen folgte. Der Rinnenverlauf wurde nach einigen hundert Metern mehrfach unterbrochen, sodass man auf verschiedene Weise die Kugel wieder nach oben befördern musste, um ihren Weg weiter zu verfolgen. Beispielsweise musste man mit einem Kettcar durch Trampeln versuchen, die Kugel wieder nach oben zum weiteren Lauf auf die Rinne zu bringen. Als nächstes fiel die Kugel in eine Drehscheibe, wo man mit einer Kurbel die Kugel wieder nach oben beförderte. Es gab noch weitere derartige Unterbrechungen, die für lustige Unterhaltung sorgten. Nach etwa zwei Kilometer erreichte die Kugel dann ihr Ziel und wurde dann natürlich als Souvenir mit nach Hause genommen. Eine hübsche abwechslungsreiche Sache mitten im Wald. Wir gingen weiter ins Tal und erreichten den Dünnbach, den wir mehrmals begleiteten. Es ging stetig bergauf und bergab, durchweg ohne große Schwierigkeiten. Nach 10 km und dreieinhalb Stunden Gehzeit kamen wir wieder am Grillplatz an. Wir fuhren zurück nach Kastellaun und hatten uns mit den neu ankommenden RTBlern in einer Konditorei, dem Café Claus verabredet. Ein schon älterer Konditor, in der 7. Generation, jedoch ohne Nachkommen, zaubert dort die besten Torten der Umgebung. Doch leider hatte das Café Ruhetag. Das war insbesondere für mich eine kleine Enttäuschung. Gott sei Dank sollte es für dieses Wochenende die einzige bleiben. Am Abend trafen wir uns dann mit den Eheleuten Scheida, Neuhann, Dürr, Siebert und Romlau (mit Hund Lucky), sowie Peter Gerber mit Dagmar Sancker, Christa Lendermann und Ricarda Marcus. Nach herzlichem Hallo versammelten wir uns am Pavillon im Zentrum der Stadt. Pünktlich war Herr Morgenroth in seiner traditionellen Kleidung aus dem Mittelalter bereit für eine Stadtführung. Er leitete uns gekonnt durch den Ort mit seinen historischen Bauwerken. Er sprach davon, dass es dem ehemaligen Bürgermeister und den Stadtplanern wichtig war das Stadtbild in seiner ursprünglichen Art, selbst durch Neubauten, erhalten zu lassen. Nach einer ausführlichen Besichtigung und Erzählung durch den Stadtführer von der Burgruine, mit einem fantastischen Blick über den Ort, ging es nur wenige Meter hinunter zu unserem Hotel, wo dann auch die Führung endete. Hungrig und durstig wie wir nun mal waren, konnten wir auch bald unser Abendessen von einem extra für uns bereit gestellten Buffet unter freiem Himmel in einer schönen Atmosphäre einnehmen.

Samstagmorgen um 7 Uhr lud ich zur Eingewöhnung zum Frühstückslauf von 35 Minuten ein, denn es sollte noch eine lange Wanderung folgen. Zeitig zum Frühstück trafen auch Babette und Klaus Lipus ein. Gut gestärkt mit Lunchpaket im Rucksack, begaben wir uns auf eine 15 km lange Wanderung. Unser Ziel war die Geierley. Bis zum Frühjahr 2017 galt sie noch als längste Hängebrücke Deutschlands. Mittlerweile ist sie von einer Hängebrücke im Harz um wenige Längenmeter übertroffen worden. Der Weg dorthin war sehr abwechslungsreich. Er führte über schattige, kühle Wege, immer wieder an einem Bach entlang, die allesamt sehr sauber und gut begehbar waren. An einigen Ruheplätzen waren neue Bänke und Tische installiert. Urplötzlich tauchte eine hohe Burgruine vor uns auf. Über lange Treppen konnte man in das Innere gelangen. Ingo, Klaus und Gerhard ließen sich das nicht nehmen ließen. Im Allgemeinen verfügen alle Wanderwege (Traumschleifen) über ganz geringen Asphaltanteil, weshalb sie auch schon oftmals prämiert wurden. Nach über vier Stunden erreichten wir den Einstieg der Hängebrücke. Es gehört schon eine gewisse Überwindung dazu die Brücke zu überqueren, auch wenn sie praktisch gefahrlos zu begehen ist. Da sie einer gewissen Schwankung über 107 Meter über dem Tal ausgesetzt ist, zollt man den Mutigen den nötigen Respekt. Im Vorfeld war es klar, dass die Romlaus da nicht drüber gehen würden, doch zu meiner Überraschung haben sich alle anderen getraut. Heike Stollwerk hat Jürgen, Heike und Hund Lucky auf den Weg unterhalb der Brücke begleitet. Da die Beschreibung bzw. Markierung nicht so ganz stimmte, haben sie kurzerhand den Rückweg eingeschlagen. Unterdessen wurden die anderen in Etappen von einem Kleinbus aus unserem Hotel wieder zu unserem Quartier zurückgebracht. Am Hotel angekommen fuhr ich gemeinsam mit Klaus zum anderen Ende der Brücke, um die letzten unserer Gruppe abzuholen.

Beim gemütlichen Zusammensein am Abend habe ich dann das Lied „Sommer“ von den Bläck Fööss umgedichtet und mit der Unterstützung der anderen den folgenden Refrain gesungen:

„Nä RTB ist dat nit schön, överall sühste Böüm,

denn hie süht et wirklich us, wie bei uns zu hus,

hee fehlt nur noch zum Glück, die Aussicht ob de Brück„

13 Strophen wurden vorgetragen. Darunter haben sich 10 Strophen auf die Wanderung der letzten 10 Jahre bezogen. Also haben wir ein kleines Jubiläum gefeiert.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von der Badischen Kellerei und dem schönen Städtchen Kastellaun. Wie fuhren im Konvoi zur Baybachklamm. Ein Rundweg der schönsten, abenteuerlichsten und erlebnisreichsten Art, der nicht zu viel versprach. Wurde doch dieser Weg mit 96 von möglichen 100 Punkten als Premiumweg ausgezeichnet. Wir trafen uns an der Schmausemühle, einem Restaurant und Hotel mitten im Tal, wunderschön in ruhiger Lage gelegen, wo wir bereits morgens unser Mittagessen bestellt hatten. Doch vor dem Schmausen begaben wir uns auf die 10 km Traumschleife, die ihren Namen voll verdient hatte. Der Wetterbericht hatte Regen angesagt, damit wäre es eine nicht ungefährliche Wanderung geworden. Doch wir hatten Glück. Der Regen hatte sich verspätet und somit konnten wir den ganzen Reiz dieser Runde auskosten. Die Schmausemühle steht in der Mitte des Tales, also hatten wir den ersten Teil der Klamm vor uns. Es war sehr idyllisch und ruhig, mitunter hörte man nur das Rauschen des Baches, der manchmal friedlich und dann wieder wild daherkam. An eng am Berg anliegenden Pfaden, mit mehrfacher Querung des Baches, mussten mehrere Felsvorsprünge überwunden werden, bei denen man sich an Halteseilen festhalten konnte. Weiter ging es nach oben über die Höhen. Nach einigen Kilometern am Waldesrand, über Wiesen und Felder mit gutem Ausblick mussten wir dann wieder hinunter zur Klamm, nun hatten wir die andere Hälfte durch das Bachtal vor uns, bis wir wieder am Startpunkt, der Schmausemühle waren. Es war die gleiche abenteuerliche Prozedur wie zu Beginn und alle haben das bravurös gemeistert. Als wir unsere Lokalität erreicht hatten, bekamen wir ein schattiges Plätzchen unter großen Schirmen, die sowohl als Schattenspender auch als Regenschutz dienten. Das Essen war Dank der Vorbestellung rasch zubereitet, sodass wir alle gleichzeitig unseren großen Appetit mit den hervorragenden Speisen stillen konnten. Noch während wir speisten, fing es doch noch zu regnen an. Der aber tat dem schönen Wochenende jedoch keinen Abbruch.

Fazit: Der Hunsrück besitzt eine fantastische Vielzahl an Wanderwegen, von denen wir nur einen kleinen Teil erleben konnten, aber mit Sicherheit einen der Schönsten.