RTB-Wanderwochenende 2015

Limburg und die Lahn

22.05.2015

Die Lahn ist ein Fluss aus Nordrhein-Westfalen, der im Rothaargebirge auf dem Lanhnkopf in NRW entspringt und einiger Zeit später nach Hessen abzweigt.

Dieser Fluss wird dann während ca. 240 Km immer breiter und breiter und verschwindet bei Lahnstein im Rhein.

Zwischen Taunus und Westerwald liegt ihm Lahnbecken die mittelalterliche Stadt Limburg. Wer noch nicht hier war, kennt zumindest dem imposanten, auf einem Felsenhügel liegenden Dom von Limburg, den man als Vorbeifahrender auf der Autobahn gut sieht.

Freitag

Spätnachmittags begaben sich Heike, Udo, Karin und ich zum traditionellen Domsingen, so wie jedes Jahr. Das heißt, Udo singt in irgendeinem Dom auf dieser Welt und wir hören zu. Der Dom strahlte in der nachmittäglichen Sonne eine unglaubliche Ruhe aus und behielt diese auch bei, als Udo mit seinem Solo „Ave Maria“ fertig war. Die wenigen fremden Zuhörer waren ergriffen. Nichts geschah weiter weiter. Lediglich die frühabendliche Ruhe setzte wieder ein, so als wäre es das Normalste von der Welt, dass man in einer Kirche ein andächtiges Lied singt, wenn einem danach ist. Ganz anders als im Jahr zuvor im Dom von Trier, wo der Domvikar bei Udos andächtigem Gesang einen hysterischen Anfall bekam und mit Polizei drohte.

Das ist ein gutes Omen, dachte ich mir, für unsere Wanderung … und so war es auch.

Am Freitagabend wurde zünftig in Burgenkeller gespachtelt um anschließend zu nächtlichen Stadtführung von Limburg zu eilen. Erstaunt waren wir, als wir erfuhren, dass der Stadtführer auch ein Hobbyläufer ist und am nächsten Tag an einem 10Km-lauf teilnehmen wollte. Es gäbe auch einen Halbmarathon, schmunzelte er.

Leute, ich habe es einigen Freunde angesehen, wie das Gehirn gearbeitet hat an der Frage, können wir nicht auch an diesem Lauf teilnehmen und anschließend die Wandergruppe einholen, um dann gemeinsam die Wanderung zu Ende zu bringen. Ich glaube, Karin sah mir meine Gedanken an und teilte mir nonverbal mit: Nein, das geht nicht. Unmöglich! Ich schaute zurück und sie konnte in meinem Gesicht lesen: O.K., stimmt ja. War nur so ein Gedanke.

Samstag.

Samstagmorgen mit der Hessischen Landesbahn, die übrigens nicht am Streik der DB teilnahm, die Lahn rauf nach Vilmar.

Vilmar ist das, was man wohl einen Marktflecken bezeichnet. Über die Lahn spannt sich die sog. Marmorbrücke. Die Brücke ist aus dem 19. Jahrhundert und mit Schmuckmarmor verziert. Das Zeug wurde hier früher als sogenannter Lahnmarmor abgebaut und in der ganzen Welt, sogar am Empire State Building in New York verarbeitet. Mich erinnerte die Verarbeitung von Marmor an unsere bevorstehende Badezimmerrenovierung im Juli und mir grauste vor dem ganzen Dreck, der dabei entstehen wird. Aber die anschließende Diskussion mit Udo, wo und in welcher Richtung der Einstieg in den Lahnwanderweg zu finden sei, ließ die unangenehmen Gedanken schnell wieder verschwinden.

Udo hatte einen erstklassigen Lahnsteig-Wanderführer dabei, der allerdings von uns immer in entgegengesetzter Richtung abgewandert wurde. Einfach kann jeder.

Ab auf die Höhen und zunächst rechtslahnisch nach Limburg. Gutes Wetter, humorvolle Leute und grandiose Aussicht garantiert. Mehr braucht man bei einer Wanderung nicht. Wandern mit befreundeten Menschen macht glücklich. Irgendwann, irgendwo vor Runkel ist auf dem gegenüberliegendem Berg das König Konrad Denkmal zu sehen. König Konrad, wer war dass denn? Schau halt bei Wikipedia nach. Der Typ regierte im 10. Jahrhundert.

Aber wie das so ist, sagen Denkmäler viel mehr über ihre Erbauer und ihre Zeit aus, als über die dargestellten Figuren und Persönlichkeiten. 1894 erbaut, also streng Deutsch-Kaiserlich-National. Sei´s drum. Wir mussten nach Runkel. Wieder so ein Marktflecken mit zahllosen Bauwerken aus dem Mittelalter samt Burgruine und Schloss. Die 1448 erbaute Lahnbrücke mit vier Bögen hält heute noch dem Autoverkehr stand und viele uns fragten sich, wieso moderne Nachkriegs-Brückenbauten in Deutschland mittlerweile zu Schrott gehen.

In Runkel ist entspannte Kaffeepause in einem originellen Café angesagt. Noch ahnen wir nicht, dass der weitere Teil des Lahnsteigs gesperrt ist, von uns aber trotzdem in abenteuerlicher Manier „genommen“ wird.

Outdoorpilates.

Von Mila erfahren wir auf der ersten Wanderung etwas über Pilates. Das meiste wusste ich z.B. gar nicht. Für mich klang Pilates immer nach Pilatus, auch ein wenig nach Penaten, oder so ähnlich. Ganz anders!

Pilates ist ein systematisches Ganzkörpertraining zur Kräftigung der Muskulatur, primär der Beckenboden-, Bauch- und Rückenmuskulatur. Das Pilatestraining kann auf der Matte und an speziell entwickelten Geräten stattfinden (aus: Wikipedia, Halbwissen für Klugscheißer.).

Und dann kam der Aufstieg zum jüdischen Friedhof von Runkel. Hier zieht sich der Lahnhöhenweg nach Ennerich oberhalb der Lahn hin. Den Hinweis, dieser Wanderweg ist amtlich gesperrt, nahmen wir nicht ernst. Konnten wir auch gar nicht, sollten wir etwa wieder zurück? Nein, wohin denn? Umleitung? Fehlanzeige.

Diese schlechte Versorgung an Informationen für Wanderer war nicht gerade eine Meisterleistung des Touristikamtes von Limburg. Im Gegenteil. Eine Ignoranz gegenüber Touristen. Wir lassen doch ordentlich Geld in dieser Gegend…

Aber bloß nicht weiter aufregen.

Erst einmal stand das Überwinden von unzähligen umgekippten Bäumen an. Wir kletterten und krochen, wir schoben manchen Kollegen über Hindernisse, manchmal zogen und drückten wir ein Vereinsmitglied gleichzeitig über einen Baum, wir suchten ständig nach Umgehungen, Udo schaute ständig auf die Uhr, wir verloren uns aus den Augen und verständigten uns durch Rufen und schafften es tatsächlich, eine, für normale Spaziergänger unüberwindbare, von umgekippten Bäumen ein Kilometer lang versperrte Strecke zu überwinden. Unser Humor ließ uns nicht im Stich und wir prägten für diese unfreiwillige Einlage den Begriff „Outdoorpilates“. Eine Übung zur Kräftigung der gesamten Muskulatur, eben nur draußen. Stimmt doch, oder?

Immer noch rechtzeitig erreichten wir das Café Will, das älteste Café von Limburg. Kurzer Eindruck: Da könnte man gestalterisch deutlich mehr draus machen.

Das Abendessen nahmen wir im „Schwarzen Adler“ ein. Dieses Restaurant ließ für meine Verhältnisse nichts zu wünschen übrig. Ambiente und Speisen waren gleichermaßen gut. Thea überraschte wieder einmal mit ihrem dichterischen Talent, Klaus verblüffte mich als Mitbegründer des Wuppertaler Weinkonvents und Babette mit ihren Erzählungen über ihre frühen Alleinreisen. Was man nicht alles so erfährt, auf den alljährlichen Vereinsfahrten.

Auf dem Rückweg zu unserem Hotel kamen wir an einem Paulaner Biergarten in der Innenstadt vorbei. Der Wirt, alleine, wollte gerade schließen, befragte uns dann aber, wieviel Personen wir wären. Wir waren an die zwanzig Leute, so dass der Wirt sich doch noch für ein kleines Abendgeschäft und damit für eine Nettigkeit gegenüber Touristen entschied. Richtige Entscheidung.

Balduinstein.

Bevor es am nächsten Morgen mit der Hessischen Landesbahn lahnabwärts nach Balduinstein ging, verabschiedeten wir uns von Rosemarie und Hans-Peter, die frühzeitig nach Düsseldorf mussten.

Balduinstein liegt im unteren Lahntal und damit in Rheinlad-Pfalz. Auch hier beherrschen unzählige Ruinen, Halbruinen und komplette Gebäude früherer Jahrhunderte das Ortsbild. Ich vermeide aber in diesem Artikel Hinweise auf diese Bauwerke. Die Anzahl ist einfach zu groß.

Nach dem Verlassen der Regionalbahn sind uns Udo und ich über die Marschrichtung einig und finden auch tatsächlich den Aufstieg zum Tempelberg, oder wie der Berg hieß. Der Ausblick von hier auf die untere Lahn ist einfach grandios.

Kurz steigen wir dann im stattlich anerkannten Heilquellenort Fachingen wieder ab. Der Flecken, in welchem das berühmte „Fachinger“ seit 1742 abgefüllt wird, wirkt auffallend unspektakulär.

Bis nach Diez an der Lahn – übrigens auch ein anerkanntes Heilbad - ist noch ein Höhenrücken zu überwinden.

Vor dem Abstieg nach Diez genießen wir den Überblick über dieses mittelalterliche Städtchen – und das ist wirklich jedem Wanderer hier an dieser Stelle zu empfehlen. Mitten im Ort, auf einer steilen Felsspitze gelegen, beherrscht das hochmittelalterliche Grafenschloss das Stadtbild. Heut ist hier u.a. eine Jugendherberge untergebracht.

Bevor wir den nächsten Höhenrücken hinter Diez erklimmen, steuern wir etwas außerhalb des Zentrums das Cafe Riedel an. Das Cafe entdeckten Heike, Karin, Udo und ich im März und befanden es für unsere Gruppe als gut. Das in einem 200 Jahre alten Stadthaus untergebrachte kleine Jugendstilcafe wird von jungen Leuten bewirtschaftet. Bei gutem Wetter, und das hatten wir, empfiehlt sich der rückwärtig gelegene Biergarten, der direkt am Flüsschen Aar (linker Nebenfluss der Lahn liegt.

Neben Torten wurden auch hausgemachte Suppen angeboten. Ein perfekter Ort zum Verweilen und … um Aperol-Spritz einzunehmen. Von diesem Teufelszeug hatte ich erst einige Tage zuvor zum ersten Mal im Leben gehört. Kam ganz gut bei den Damen an. Bezahlen durfte ich das dann alles, wie Karin meinte. Na, von mir aus.

Im Nachhinein fällt mir auf, dass wir mit dieser Wanderung eine Vielzahl von anerkannten Heilbädern passiert haben. Das war doch früher nicht so, oder? Lieg das am Alter? Bevorzugen wir nun liebliche Wanderungen mit Heilquellen und guter Luft? Dagegen war es am Rheinsteig noch richtig gefährlich, so an der Loreley, oder täusche ich mich da?

Keiner bestieg in Diez den Zug nach Limburg, obwohl Udo mehrfach auf diese Möglichkeit hinwies, sondern alle wollten die Tour auch sportlich zu Ende bringen. Auch wenn die Pause im Cafe etwas mittägliche Müdigkeit aufkommen ließ.

Zunächst noch kurz durch die anschauliche Pfaffengasse, der mittelalterlichen Hauptstraße von Diez, geschlendert und dann steil nach oben Richtung Limburg. Nach dem Abstieg ein ziemlich langer Marsch über ein Feld, aber immer noch auf dem Lahnhöhenweg und dann war schon das St. Vinzenz-Hospital von Limburg als Landmarke zu sehen.

Das Ende der Wanderung war schon zu erahnen.

Gerd Dürr

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Eckdaten zur RTB-Wanderung 2015:

Termin: 22. – 24. Mai 2015

Koordination: Die Stollwerks

Teilnehmer: Heike und Udo Stollwerk, Karin und Gerd Dürr, Monika und Karl Horst Röhrig, Peter Gerber und Dagmar Sanker, Ferry und Thea Scheida, Mila und Ingo Siebert, Monika und Wilfried Mühlbauer, Babette und Klaus Lipus, Rosemarie und Hans-Peter Volkmer, Christa Lendermann, Renate Pelzer, Axel Schacht.

Hotel: Hotel Huss, direkt am Limburger Bahnhof; Zimmer gut, auf den Fluren und im Frühstücksraum ist leider noch der Muff der 60er Jahre zu spüren.

Strecke: Vilmar – Runkel – Limburg / Balduinstein – Diez – Limburg

Grundlage: „Lahnhöhenweg“ – bei Diez auch als „Lahnwanderweg“ bezeichnet

Wanderzeichen: „L“ – „LW“

Wegewartung und Kartenmaterial: Oberhessischer Gebirgsverein Marburg

Touristeninfo: Verkehrsverein Limburg e.V. Bahnhofsplatz 2, 65549 Limburg a. d. Lahn , Telefon: 06431 6166 / 06431 203-222

Halbwissen: Gepflegtes Halbwissen findet ihr bei Wikipedia.

Domsingen: Spontanes „Ave Maria“ in großen Kirchen. Erstmalig durch Udo 1999 in Quimper veranstaltet

Pilates: Erfunden hat es der 1883 in Mönchengladbach geborene Joseph Hubert Pilates. Als Deutscher wurde er zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Großbritannien interniert. In dieser Zeit entwickelte er sein Konzept eines ganzheitlichen Körpertrainings, das zu einer guten Konstitution und Haltung beitragen sollte, und zwar zunächst für mit ihm internierte Soldaten. Später lebte er in den USA, wo sich Pilates schnell verbreitete.

Pilatestraining: Mila Siebert, RTB

Outdoorpilates: Gibt es nicht … oder doch?