Der erste Marathon des noch relativ jungen Jahres

Immer geradeaus, oder: Ein Königreich für eine Kurve!

14.03.2010

Da es mir mehr liegt, im frühen Frühjahr, wenn es noch nicht so warm ist, einen Marathon auf Tempo zu laufen, hatte ich mich dieses Jahr für den Bienwald-Marathon entschieden. Die Ausschreibung klang sehr vielversprechend: Flache und daher schnelle, durchgehend asphaltierte Strecke, windgeschützt, am Rande des Bienwaldes.

Als ich dann am Samstag meine Startnummer abholen wollte, gleich die erste Überraschung: Ein mir unbekannter Läufer, recht untersetzt, im Röntgenlaufshirt, in weiblicher Begleitung.

„Hi, kommst du aus Remscheid?“ „Ja, sind gerade angekommen!“ Zu viel mehr reichte die Kommunikation allerdings nicht, da die zwei weiterschoben……

Startnummer und Finishershirt abgeholt, und dann die nächste Überraschung: Die Medaille ebenso! Ja, ganz ehrlich, für 3,00 Euro konnte man sich die auch schon abholen. Meine Bemerkung: „Wenn ich jetzt noch eine Urkunde bekomme, kann ich ja wieder nach Hause fahren“, wurde mit einem Schmunzeln quittiert. „Na dann verpasst du aber einen schönen Lauf“.

Recht hat er! (Zumindest teilweise)

Nachdem ich eine Nacht in einer sehr preiswerten Pension am Rande eines Weinberges genächtigt hatte, erreichte ich nach ½-stündiger Autofahrt wieder Kandel. Parkplatz direkt vorm Eingang der Halle, kurze Wege, leckeres Essen für hinterher, allerdings auch wie fast überall woanders, endlos lange Schlange vor den Toiletten.

Von der Halle zum Start, welcher nur einen Steinwurf entfernt war, schon mal gaaanz locker getrabt, um etwas gegen die Kälte (5°) zu unternehmen. Dann pünktlich um 10.00h : 5 – 4 – 3 – 2 – 1 - los! Marathonis und die Halben starteten zusammen, so dass ich Mühe hatte, bei dem Gedränge meine Tempomacher „unter 3:30h“ nicht zu verlieren. Ab km 13 dann mein eigenes Tempo gemacht, und mich von der 5er-Schnitt-Truppe abgesetzt.

Die Strecke war zwar wie angekündigt flach, aber führte kilometerlang immer geradeaus. Zu allem Überfluss kam man dann an einen Wendepunkt, und lief die gleiche Gerade nochmals in die andere Richtung…….ein Königreich für eine Kurve!

Nun, wie auch immer, das Tempo bis zum Ziel versucht zu halten, und immerhin in neuer PB von 3:26:51h gefinisht.

Um mal näher auf die gelaufenen Zeiten einzugehen: Von den 189 Finishern, welche ich vor mir her getrieben habe, und die daher vor mir im Ziel waren, waren 50 schneller als 3h, und 59 schneller als 3:15h, die Siegerzeit der AK 55 betrug 2:46h, die Siegerzeit Gesamt 2:29h. Das bei insgesamt 537 Marathonis. Ich bin davon ehrlich tief beeindruckt!

Die unmittelbare Zielverpflegung bestand dann aus Erdinger alkoholfrei, welches mir persönlich überhaupt nicht schmeckt. Bleifreies Bier war halt noch nie mein Ding.

Die weitere Verpflegung in der Halle machte mich dann allerdings wunschlos glücklich:

Bratwürste, Bockwürste, Leberkäse, Frikadellen, Fleeschklops(Pfälzer Spezialität), Brötchen, Kuchen und, und, und…..so richtig Herten-Berlich-mäßig.

Nach ordentlicher Zufuhr von fester Nahrung und reichlich Flüssigkeit, ging es dann auf die Autobahn in Richtung Remscheid, welches ich in vier Stunden in sehr gemütlicher Fahrweise erreichte.

Fazit: Wer früh im Jahr auf Tempo laufen möchte, wer außerdem die 330km Anfahrt nicht scheut, wer einen absolut flachen Kurs sucht, welcher allerdings streckenweise schnurstracks geradeaus führt, der ist in Kandel goldrichtig. Übrigens: Der 36. Bienwald-Marathon ist am 13. März 2011!

Peter Gerber

14.März 2010