Der schönste und schwerste Marathon der Niederlande

Vom Winde verweht

03.10.2009

Was macht der Remscheider, wenn er eine Ausschreibung liest, in der vom „Schönsten und schwersten Marathon der Niederlande“ die Rede ist? Na klar, sich anmelden und mitlaufen, zumal der Termin strategisch günstig lag, um einen langen Trainingslauf für den Röntgenlauf zu bestreiten.

So standen also am Tag X Uta und Peter in freudiger Erwartung am Start in Burgh, jeweils begleitet von ihren besseren Hälften Dagmar bzw. Hardy (Danke für eure Betreuung an der Strecke und im Ziel).

Das es eine Viertelstunde vor dem Startschuss anfing zu regnen, trübte die Stimmung nur geringfügig. Viel schlimmer war der Wind, welcher Einem permanent um die Nase wehte. War es anfangs innerhalb der Stadt nur ein laues Lüftchen, pfiff Einem im freien Gelände Windstärke 7 – 8 entgegen. Es war wirklich absolut kräftezehrend, dagegen anzurennen. Als die Strecke dann nach kurzer Zeit am Strand lang führte, war die Moral schon ein wenig im Keller. Von vorne rechts stürmische Windböen, unten tiefer, schwerer Sand, echt ätzend! Da hilft nur eines: Gang rausnehmen, und gaaanz langsam rollen lassen.

Uta, welche von Anfang an vorhatte, aufgrund ihrer lädierten Ferse nicht bis zum Ende laufen zu wollen, stieg dann bei KM 26 aus, wo sie von Hardy und Dagmar in Empfang genommen wurde. (Von dort aus war es nur ein Steinwurf bis zum Ferienhaus).

Peter wollte noch ein Stück weiterlaufen, was von der besseren Hälfte nicht unbedingt euphorisch bejubelt wurde. \"Ein Stückchen weiter\" war in diesem Fall bis zum Ziel. Doch hätte er gewusst, was ihn ab km 32 erwartete, wäre er vielleicht auch ausgestiegen. Ab dort lief man auf dem Dünenkamm und danach auf dem Deich exakt gegen den Wind. Was heißt lief…..ging, da an Laufen nicht zu denken war.

Also kämpfte man sich km für km vorwärts, bis die Strecke plötzlich einen scharfen Knick machte, und man plötzlich für ca. 500m Rückenwind hatte. Balsam für die strapazierte Muskulatur, wenn man nur noch einen Fuß vor den anderen setzen musste, und zwar ohne jede Anstrengung, und vom Wind getrieben wurde. Leider aber eben nur ca. 500m, dann ging es ab km 40 nochmals ein kleines Stück am Strand entlang. Nur jetzt nicht aufgeben, so kurz vor dem Ziel die letzten Kräfte mobilisiert, km 42, ein kurzes Stück bergab vom Deich in die City, Zieleinlauf…..geschafft.

Anmerkung ds. Verf.:

Die Zeit von 4:51:18h war nebensächlich, da der Lauf nur ein Trainingslauf für den Röntgen Ultra sein sollte. Trotzdem zeigt sie, wie schwer ein Marathon unter diesen Umständen zu laufen ist. Vielleicht stoße ich mit meinem Vergleich auf Unverständnis und ernte Kopfschütteln, aber von der Anstrengung her war er vergleichbar mit dem Zermatt-Marathon.

Wenn in der Ausschreibung vom schwersten Marathon der Niederlande die Rede ist, habe ich das nur belächelt. Jetzt allerdings glaube ich es!

Peter Gerber