Wuppersause

Beine und Füße, allgemein des Läufers meistbelasteten Gliedmaße, hatten Pause an diesem Sonntagnachmittag. Stattdessen wurden so ziemlich alle Körperteile oberhalb der Gürtellinie benötigt, um bei unserer „Wuppersause“ einigermaßen trocken und unbeschadet das Ziel zu erreichen.

08.06.2008

Aber der Reihe nach:

Die Idee entstand bei unserer letzten Teamsitzung im Februar. Warum nicht einmal die Wupperroute, die wir von zahlreichen Läufen nach Leverkusen von Land aus bestens kennen, vom Wasser aus einem Kanu heraus betrachten. Norbert übernahm die Terminplanung und die Buchung beim Veranstalter, einem ehemaligen Olympiamedaillengewinner aus Solingen, und wir trafen uns am 8.6.2008 bei strahlendem Sonnenschein am Wupperhof.

Als gegen 14:30 Uhr der Transporter mit den Booten eintraf, galt es für alle 31 Teilnehmer erstmal mit anzupacken. Die Boote mussten abgeladen und zum Ufer getragen werden, anschließend wurden die Paddel und Schwimmwesten verteilt. Danach wurde es langsam ernst: einer der Begleiter führte uns in einem Schnellkurs in die Kunst des Kanufahrens ein: Paddelhaltung, Steuern, Bremsen, theoretisch hatten wir´s kapiert…

Als nächstes wurden die Bootbesatzungen zusammengestellt, Schlagmann/-frau nach vorne, Steuermann/-frau nach hinten. Nach und nach glitten die 10 Kanus für die vor uns liegende 16 km lange Tour ins Wasser.

Für die meisten von uns war es der erste Kanuausflug. Umso erstaunlicher war es, dass die erste Übung, die Wupper zu queren und uns auf der anderen Seite wieder zu sammeln, fast problemlos gelang. Schon nach diesem kurzen Stück war allen klar, dass das weitere harmonische Miteinander der jeweiligen Beatzung von einer optimalen bootsinternen Abstimmung abhängig war. Dabei fiel das den 2-er-Kanus offensichtlich am leichtesten. Mit der Routine eines kanadischen Trappers glitt Steuermann Siggi mit Bugfrau Ricarda über die Wellen. Und auch Jan und Britt saßen über weite Strecken ziemlich entspannt im Boot. Etwas unruhiger ging es hingegen in der 3-er und 4-er-Gefährten zu. Fahrt aufnehmen und dabei auch noch den Kurs zu halten waren zwei Dinge die bei den wenigsten auf Anhieb funktionierten. (Bei unserem Boot hielt dieser Zustand bis zum Schluss an…)

Hinzu kam, dass der Wasserstand der Wupper gelegentlich dazu beitrug, dass sich ein Boot ohne Vorwarnung einfach auf die Flusskiesel setzte und nur unter Verwendung aller Paddel als Stöcke oder durch das manuelle Eingreifen eines Begleiters wieder aus dieser misslichen Lage befreit werden konnte.

Aber mit der Zeit stellte sich bei allen eine gewisse Routine ein und unsere Kanukarawane zog langsam die Wupper abwärts. Nach etwa 5 km erreichten wir das Wehr kurz vor der Wipperaue. Diese Stelle ist uns Läufern bestens bekannt, da hier immer unsere erste Verpflegungsstation ist. Darauf mussten wir aber diesmal noch etwas warten, denn das Wehr musste hier „zu Fuß“ bewältigt werden. Boote anlegen, aus dem Wasser ziehen und ein paar Meter weiter wieder einlassen, schon ging es weiter. Einige Boote nutzten die Gelegenheit durch interne Umbesetzungen die Abläufe des Geradeausfahrens zu optimieren. Was aber auch nur bedingt erfolgreich war, weiterhin nutzte unsere Truppe im Zick-Zack-Kurs die komplette Breite der Wupper zum Vorankommen aus. Egal…wir hatten ja alles mitbezahlt. Ein bisschen neidisch schielten alle auf Holger, der ganz entspannt vorne in einem 2-er saß und mit einem der Begleiter einen erfahrenen Steuermann hinter sich wusste. So blieb Holger aber genügend Zeit und Gelegenheit, um Fotos von den anderen wild kämpfenden Bootsfrauen und –männern zu schießen. Das Siebert-Kanu lief unter deutscher Flagge, im Inneren wurde viel diskutiert. Der 3-er mit Klaus, Petra und Walter kam unserem Boot manchmal gefährlich nahe…oder umgekehrt. Bei Markus und Sabine mit Kindern blitzte gelegentlich die Müritz-Erfahrung auf, indem ihr Kanu auch mal ein Stück geradeaus fuhr. Was man von unserem Boot überhaupt nicht sagen konnte. Ein permanenter Rechtsdrang sorgte bei mir als Steuermann für reichlich Arbeit und im Nachgang zu schmerzenden Schwielen an der rechten Hand sowie zu vielen gut gemeinten Ratschlägen von der übrigen Besatzung (Birgitt, Heike und Udo). Und als Udo unterwegs auch noch anfing Witze zu erzählen statt als Frontmann auf Stromschnellen und Untiefen zu achten, sahen wir uns schon vor lauter Lachen kurz vor dem Kentern. Von wegen, gemütliche Paddeltour…statt dessen schweißnasses T-Shirt und trockene Kehle, aber das wenigstens bei bester Laune. Bei der Fahrt durch Leichlingen galt es besonders auf gute Haltungsnoten und eine gerade Linie zu achten. Denn hier war offensichtlich Stadtfest und viele Zuschauer am Ufer und auf den Brücken warteten nur darauf, dass eines der Kanus aus unserem bunten Haufen vor deren Augen umkippt…vergebens!

Nach etwa 2 Stunden gab es dann die lang ersehnte Verpflegungspause in der Balker Aue. Getränke und Kekse waren dem Anlass gerecht in einer großen Plastiktonne verstaut und fanden reißenden Absatz. Das noch vor uns liegende Teilstück bis Opladen sollte laut Aussage unserer Begleiter eher ruhig aber dennoch zügig zu bewältigen sein. So war es dann auch, was wir natürlich weniger auf die hier eher breite und ruhige Wupper sondern auf die inzwischen fast perfekte Beherrschung unserer Gefährte zurückführten. Jutta hatte im letzten Drittel den Joker gezogen. Ihr 3-er mit Kids wurde durch einen der Begleiter als Steuermann verstärkt, was der Kursstabilität ihres Kanus ab hier deutlich zu Gute kam. Die inzwischen tiefer stehende Sonne sorgte dafür, dass wir auf den letzten Kilometern noch ein paar sehr schöne Eindrücke vom Wupperufer mitnehmen konnten. Udo meinte, so manche Brücke, die wir sonst laufend überquert haben, erkannt zu haben. Das wird wohl so sein, aber vom Wasser sieht die Welt eben ganz anders aus als vom Land. Kurz hinter der Brücke in Opladen, wo wir sonst unsere zweite (Lauf-)Pause einlegen, war dann das Ende unserer Kanutour. Hier hieß es noch mal „alle mit Anpacken“, die Boote saubermachen und auf Auto und Hänger verladen. Zum guten Schluss gab´s noch leckeren mitgebrachten Kuchen und Getränke und eine Menge zu erzählen. Ein großer Reisebus, der uns wieder zum Wupperhof brachte rundete die perfekte Organisation ab.

Allgemeines Fazit: 4 Stunden tolles Erlebnis mit hohem Spaßfaktor!


Matthias