Laufserie Köln-Porz

oder: Wie schnell muss man laufen, um zufrieden zu sein?

25.02.2007

An der diesjährigen Laufserie in Köln-Porz nahm wie viele andere auch, unser nimmermüder Lauffreund und Vereinskamerad Christian Thiel teil. Diesmal hatte Christian sich dafür entschieden, über die 5000m Strecke an den Start zu gehen, und möglichst „vorne mitzumischen“.
Nachdem Christian also die ersten beiden Läufe am 21.01. als Zweitplatzierter in 17:25 bzw. am 04.02. als Fünftplatzierter in 17:30 beendet hatte, machte er sich natürlich berechtigte Hoffnung auf den Gesamtsieg. Zumal er zeitgleich mit einem Konkurrenten die Serienwertung anführte. Der Rest des Feldes lag mehr als eine beruhigende halbe Minute zurück.

Mit dieser Option fuhren dann am 25. Februar Christian zusammen mit Peter Gerber zum alles entscheidenden letzten Lauf. Letztgenannter als Fahrer und zum Anfeuern, sowie um zur Leistungskontrolle für seinen Start beim Zürich-Marathon am 1. April, beim HM an den Start zu gehen.
Schon Tage vorher hatte Christian sich bereit erklärt, zum „Auslaufen“ beim HM zusammen mit Peter an den Start zu gehen. (Anmerkung des Verfassers: Für mich war klar, wenn jemand die 5000m „volle Kanne“ läuft, ca. 50 min. später keine vernünftige HM-Zeit mehr heraus kommen kann. Da warte ich dann halt im Ziel auf Christian!)
Auf der Fahrt zum Wettkampf dann die Frage von Christian: „Peter, wie schnell willst du denn laufen?“ „Ich will unter 1:40:00h bleiben.“ „Hast du was dagegen, wenn wir zusammen laufen?“ „Nein, natürlich nicht! Ganz im Gegenteil! Super“ (???Wie will der das schaffen???)

Angekommen in Porz, erleichtert, umgezogen, warmgemacht.......Christians Start über 5000m!
Wir treffen auf Norbert und Britta, welche zum Anfeuern nach Köln gekommen waren. Christian entdeckte seinen mutmaßlichen Konkurenten um den Gesamtsieg, und hielt mit seinem Widersacher erst einmal ein Schwätzchen.

Fünf, vier, drei, zwei, eins...Startschuss.

Anders als beim zweiten Serienlauf über 5km lief Christian das Rennen nicht wie von Sinnen los, er wollte sich seine Kräfte gut einteilen. Er wollte eben nicht wie beim letzten Mal nach zwei an der Spitze des Feldes gelaufenen Kilometern von seinen Widersachern durchgereicht werden, um dabei auch noch einiges an Zeit zu verschenken. Nein, diesmal nicht. Es sollte aber schlimmer kommen. Trotz eines ersten Kilometers, den Christian auch bei einem Halbmarathon nicht wesentlich langsamer angelaufen wäre, fehlte völlig die Frische. So wurde die Lauerposition im Feld eher zu einem Oh-Schreck-warum-laufen-die-alle-so-schnell Panoramablick.

Der schon weiter oben schon angesprochene Läufer, welcher in der Summe der ersten beiden Läufe zeitgleich mit Christian in Front lag, erwischte auch keinen guten Tag. So blieb Christian in seiner Reichweite, ohne ihn dennoch einholen zu können. Auf dem letzen Kilometer gab Christian dann nach im Gefühl den Seriensieg verschenkt zu haben und lief fast 45 Sekunden langsamer als bei den anderen Fünfern über die Ziellinie. Blöd dabei: Der „Konkurrent“ war nur für die Einzelläufe, nicht aber für die Serie gemeldet. Noch blöder: Christian verlor soviel Zeit, sein Vorsprung von 33 Sekunden nach 2 Läufen auf den nächsten Serienläufer wurde in 3 Sekunden Rückstand umgemünzt (Fast schön glücklicherweise bemerkte Christian beim Durchstöbern der Ergebnisliste in der darauffolgenden Woche, dass ein weiterer Läufer mit einem „Parforcelauf“ und einem Gesamtvorsprung von 13 Sekunden sich die Serienwertung holte.) Trotzdem: Christian ärgerte sich ob der vergebenen so guten Ausgangsituation und der Tatsache auch noch so viel Zeit verschenkt zu haben. Er dachte sich, wenn er nur ein wenig mehr „geknautscht hätte“, „die paar Sekunden wären vielleicht noch drin gewesen“.

Aber der Lauf war vorbei. Mittlerweile war unerwartet Michael Kuhl aufgetaucht. Er hatte keine Lust, long slow distance (LSD) mit dem Marathon-Team um die Talsperre zu laufen, und wollte dafür beim HM starten.
Derweil ärgerte sich Christian noch immer sehr über seinen Fehler, (brummel, brummel) und war durch nichts zu beruhigen. Zumal er ja auch die genauen Zeiten seines richtigen Konkurrenten nicht kannte.

Wir machten uns ausgiebig warm, auch Christian trabte unnötigerweise mit, da der ja eigentlich schon „kochte“.

Am Start sagte Christian, welcher immer noch äusserst unzufrieden mit sich war, zu Peter: „Sei mir nicht böse, aber ich laufe doch lieber alleine!“ „OK, kein Problem!“ (Anm. des Verfassers: Sorry Christian, aber das hätte ich auch nicht lange durchgehalten, jemand der mir das ganze Rennen über erzählt, wie unzufrieden er mit seinem letzten Lauf ist. Da wäre ich wahrscheinlich irgendwann depressiv geworden und freiwillig vor einen dicken Baum gelaufen!) Gegenseitiger Wunsch auf ein gutes Rennen, und schon ging es los...........
Von Christian und Michael war bald nichts mehr zu sehen, Peter versuchte, sein Tempo zu finden, lief jedoch leider ohne Uhr, und hängte sich daher an einen „schönen Hintern“. Oh Mann, dieses Hinterteil war wirklich ausgezeichnet, die Kilometer wurden einer nach dem anderen gefressen, die letzte Runde (5KM) nochmal an Tempo zugelegt, der „schöne Hintern“ überholt. Auf den letzten beiden KM nochmals draufgelegt und nach 1:38:29 h im Ziel gewesen. Dort entdeckt Peter sofort Michael und Christian, welche 1:32:25 bzw 1:26:35 erreicht hatten. Zumindest Christian hatte seinen ganzen Frust und Zorn in das Rennen gesteckt, was der man wohl auch an der Superzeit bemerken wird. Gegenseitige Glückwünsche, aber richtige Zufriedenheit stellte sich bei keinem von uns ein.
Beim gemeinsamen auslaufen hat sich zwar Christians Gemütszustand gebessert, aber noch immer kannte er die Konkurenzzeit nicht, und war unzufrieden.

Michael bemerkte, das er ja schon viel schneller auf der HM-Distanz unterwegs war, aber einfach nicht gut dabei war. Trotz seiner erzielten sehr guten Zeit war er unzufrieden.

Bleibt noch Peter. Er wollte unter 1:40h laufen, was auch geklappt hatte. Aber......vom Gefühl her war da ganz einfach mehr möglich. Der „Hintern“ war wohl doch nicht schnell genug! Beim nächsten Mal wird auf jeden Fall besser wieder mit Uhr gestartet.

Während des Auslaufens hatte es heftigst angefangen zu Regnen, daher beschlossen alle Beteiligten auf die angebotenen Bratwürste (hhhmmm, die sahen verdammt lecker aus) zu verzichten, und die Heimreise anzutreten.

Christian, Michael, bis zum nächsten Mal, war mir ein Vergnügen.......

Bis bald im Wald!

Peter Gerber
Bergfrieder Weg 2 b
42859 RS
02191 27722