Reykjavik Halbmarathon

Britta und Norbert in Island

18.08.07

Britta war eines Abends im Winter mit Fotos aus Island aufgetaucht - und mit der Frage: "Sollen wir da nicht mal laufen und anschließend unseren Urlaub dort verbringen?"
Bei der Aussicht auf diese gigantische Naturlandschaft bedurfte es nur wenig weiterer Überlegungen, bis die Entscheidung für diesen Lauf gefallen war.

Nun stehe ich am Start des Halbmarathons - natürlich relativ weit vorne -, als der Sprecher als prominentesten Mit-Läufer den aktuellen Marathon-Olympiasieger, Stefano Baldini, ankündigt und ein kurzes Interview mit ihm macht. Der sieht ja eigentlich ganz durchschnittlich aus, mittelgroß, normalgewichtig, … und gar nicht so fliegengewichtig, wie die 5-6 afrikanischen Gazellen um ihn herum. Ein bisschen ehrfürchtig verdrücke ich mich zum Start in die 7 bis 8 Reihe. Das hätte ich mal besser nicht getan, denn jede Menge "Fast-Walker" bleiben vorne stehen. "Pilone umrunden" ist also auf den ersten 400-500 m angesagt, erst dann ist die Strecke frei für's richtige Laufen.

Beim Check der Ergebnisse vom letzten Jahr hatte ich als vage Möglichkeit einen 3. Platz bei den "Karlas" (Männer) 50-60 angeträumt, wenn ich unter 1:30 laufen kann. Und wie das so ist, man schaut sich beim Start und zwischendurch ja auch seine Konkurrenten an. Die sind schnell identifiziert: Hager, asketisch, indianergesichtig, … gefährlich schnell! Und alle überholen mich so bei km 2-3.

Es geht durch ein Wohngebiet, nicht so richtig toll. Dann sehe ich die erste Steigung vor mir: 500 m wie die Königstraße in Remscheid. Irgendwie werde ich jetzt schneller als viele andere (oder werden die langsamer?). Bergab recht schnell (am Hafenbeginn feuert mich Britta kurz vor ihrem eigenen Rennen noch an) bis Km 10 mit einer Durchgangszeit von genau 41:00. Dann auf einer langen, ganz ebenen und landschaftlich wunderschönen Strecke direkt am Meer entlang laufe ich zusammen mit Jesus …, einem Spanier aus Barcelona, der später zum Marathon abbiegen wird. Wir beide haben lange Zeit echten Speed, unter 4:00 m/Km. Ich halte das durch bis km 16. Dann kommt eine böse 800m lange Steigung, an der mir auch mein "Bergischen Land"-Training nicht mehr wirklich hilft. Ich bin einfach langsam platt! Jesus zieht weg und ich bin allein auf weiter Flur.

Jetzt geht in meinem Kopf das Rechnen los. 1:30? Eigentlich müsste ich das sogar ziemlich gut hinkriegen, sagt meine interne Rechenmaschine. Daher der "Kopf an Beine"-Befehl: Durchhalten, nicht noch um weitere Besser-Sekunden kämpfen. Als mich dann 2 km vor dem Ziel die spätere 3. Frau überholt, überlege ich dann doch noch mal kurz, mich dranzuhängen. Aber die Beine kriegen schnell mit, dass der Kopf den Gedanken hatte: "Bringt doch nix." Und reagieren entsprechend.

Beim Einlauf freue ich mich dann über eine Zeit weit unter meinem Ziel. Stefano Baldini, der Olympia-Sieger, wird Gesamt-Zweiter, ich 2. bei den "Karlas" meiner Altersklasse.

In Reykjavik gibt es an diesem Abend noch die jährliche "Kulturnacht". Viele Bands in den Kneipen und auf den Strassen, alle Museen offen, … Es boxt der Papst - und wir mit! Gut dass ich nicht, wie ursprünglich geplant, einen ganzen Marathon gelaufen bin. Dann hätte ich das alles - weil zu müde - wahrscheinlich nicht erlebt.

Toll, dass auch Britta nach ihrer langen Verletzungspause zumindest den 10er laufen konnte. So hatten wir am folgenden Tag noch guten Erlebnis-Gesprächststoff.

Aber die Läufe gerieten dann mal erst in Vergessenheit durch die unglaublichen Erlebnisse mit der puren Natur in Island und Grönland. Bei Interesse berichten wir mehr dazu.

Ein paar Fotos anbei (auf der Fotoseite)…