1. Citymarathon Cuxhaven

An der Nordseeküste...

01.04.2007

Michael und Matthias waren über die halbe Distanz dabei

Als wir zum ersten Mal etwas von der Premiere des City-Marathons in Cuxhaven hörten, stand für uns als bekennende Cux-Fans fest: Da sind wir dabei!!! Und da auch ein Halbmarathon im Angebot war, kam uns diese Distanz 3 Wochen vor dem Bonn-Marathon wie gerufen.
Ein bisschen unsicher waren wir im Vorfeld wegen des Wetters. Da wir beide mit unseren Familien schon seit Jahren um Ostern herum in Cux-Land Urlaub machen, haben wir dort auch schon viel erlebt: Sturm, Schnee, Frost...alles schon da gewesen. Aber als am 1.April um Punkt 10:30 Uhr der Startschuss fiel, strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel und auch der Wind hielt sich bescheiden zurück.

Da Cuxhaven eine überschaubare Stadt ist, war die Marathonstrecke auf zwei Runden á 21,1 km verteilt. Was für Michael und mich den Vorteil hatte, nur eine Runde laufen zu müssen. Bereits im Vorfeld hatten wir unsere Strategien ausgetauscht und die Ziele vereinbart: Michael peilte Bestzeit an (< 1:30 Std), ich wäre mit einer 1:42 Std. zufrieden. Dem zu Folge stellte Michael sich mächtig weit vorne auf, was ihm am nächsten Tag prompt eine Großaufnahme in der Cuxhavener Lokalzeitung einbrachte.
Vom Start weg kam man ganz gut in Schwung, die Strecke war breit genug. Bereits nach kurzer Zeit erreichten wir die herrliche Grimmershörner Bucht, wo es etwa 2 km direkt an der Wasserkante entlang ging. Dann, etwa bei km 4 kam der einzige "Berg", als der Deich überquert werden musste. Kurz vorher überholte ich eine "Turbo-Schnecke" aus Lüdenscheid, die sich, nach Studium meiner Trikot-Rückseite, als Röntgenlauf-Teilnehmerin outete. (1:0, siehe unten).

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich schneller unterwegs bin als geplant. Aber ich fühle mich saugut...also halte ich das Tempo. Neben mir trabt ein Kollege im gelben Trikot des "Post SV Hannover", direkt vor mir treibt mich ein Läufer fast zur Weissglut, der in seiner Gesäßtasche wohl seinen halben Haushalt mit sich führt. Wie Man(n) so laufen kann ist mir schleierhaft. Wesentlich angenehmer ist da schon der Anblick einer kleinen Frau, die etwa 50 Meter vor mir läuft...

Wir erreichen den Kurteil Duhnen bei etwa km 8, hier sind jede Menge Zuschauer, die Stimmung machen. Hinter Duhnen folgt ein Abschnitt mit Wendepunkt. Hier begegnet mir Michael schon sehr früh. Er scheint auf Bestzeitkurs und sieht noch sehr locker aus!!!
Kurz bevor ich den Wendepunkt erreiche, kommt mir auch die "kleine Frau" entgegen, die immer noch etwa 50 Meter vor mir läuft. Und siehe da, wie ich vermutete ist es Astrid Benöhr aus Bergisch Gladbach, an ihrer roten Startnummer erkenne ich, dass sie für den Marathon gemeldet ist (Was für eine 10-fach-Iron-Woman ja wohl auch das mindeste zu sein scheint).

Bei km 10 zeigt meine Zwischenzeit 46:30 Minuten, eigentlich zu flott, aber egal. Die Hälfte hab ich ja fast geschafft. Bis hierher verlief die Strecke parallel zum Meer hinterm Deich, ab jetzt geht es zurück in Richtung Stadt. Etwa bei km 15 steht Birgitt wieder an der Strecke, sie ist mit dem Fahrrad unterwegs und nutzt ihre Ortskenntnis aus. Kurz danach laufe ich auf die Gruppe mit Astrid auf, habe das Gefühl, dass sie etwas das Tempo herausnimmt. Nach meiner Rechnung bin ich auf Kurs <1:40, und fühle mich weiterhin gut. Als ich an ihr vorbei laufe, fragt sie mich doch glatt, ob ich sie mit ins Bergische zurücknehmen könne, die Zugverbindung dorthin wäre ziemlich schlecht (2:0, siehe unten). Leider wird daraus nichts, da sie nicht bis Mittwoch warten will...
Etwa bei km 18 fliegt die Turbo-Schnecke von km 4 an mir vorbei, Wahnsinn, was sie für einen Endspurt zieht. Am Ende sollte sie die AK 40 gewinnen.

Der Rest vom Lauf ist schnell erzählt. Für die letzten drei Kilometer ziehe ich die bewährte "Nur-noch-eine-Runde-um-die-Talsperre-Taktik" heran und schon liegt die Kopfstein-Zielgerade vor mir. Als ich nach 1:39:43 mehr als zufrieden den Zielbogen durchlaufe, wartet Michael schon geschlagene 10 Minuten auf mich. Er hat mit 1:29:15 sein Ziel erreicht und strahlt mit der Sonne um die Wette. Damit ist er auf Platz 21 der Männer-Gesamtwertung (von 319) und af Platz 3 der AK 45 (von 55) gelandet. Ach ja, ich war mit Platz 88 auch noch "zweistellig" und auf Platz 10 in der AK 50 (von 41). Michaels Sohn Daniel hatte ebenfalls Grund zur Freude. Er hatte über die 10-km-Strecke nachgemeldet und wurde dort in 48:44 Zweiter in der B-Jugend-Wertung (Platz 43 von 150)

Am Ende ließen wir uns die reichhaltige Zielverpflegung schmecken. Hier wird sich im nächsten Jahr ziemlich sicher etwas ändern, denn der Verpflegungsbereich war für alle zugänglich, so dass sich auch mancher Zuschauer an frischem Butterkuchen und Erdinger-Alkoholfrei erfreute.

Unterm Strich bleibt eine gelungene Premiere zu verzeichnen, die natürlich vom ungewöhnlich schönen Wetter profitierte. Und wenn sich mal irgendwann meine Aversion gegen 2-Runden-Marathons gelegt hat, kann aus dem Halben auch mal der Ganze werden.
Fazit für dieses Jahr: Michael und ich sind für Bonn bereit...

Statistisches und Ungewöhnliches am Rande: Die Marathon-Siegerzeit bei den Männern betrug 2:42:15, der Halbmarathon-Sieger (1:13:26, über 6 Minuten Vorsprung auf den Zweiten) wollte eigentlich nur den 10er laufen, verpasste aber den rechtzeitigen Abzweig).
Die Siegerinnen bei den Frauen über HM (1:29:17) und Marathon (3:28:04, Astrid Benöhr, s.o.) sind beide bereits in der AK 50 !

Zum Schluss die Auflösung (1:0, 2:0): Die kurzen und netten Gespräche unterwegs bestätigen die Richtigkeit unserer Entscheidung, die Vereinsbezeichnung "RTB Remscheid" gewählt zu haben. Auch wenn das nicht der offiziellen Version "Reinshagener TB" und damit den Vorstellungen des Vorstands entspricht, repräsentiert es außerhalb Remscheids unsere Heimatstadt in angemessener Form.

Matthias Bioly