71. Lauftage in Bertlich

Am Sonntag trotzten drei Ausdauersportler dem Wind, dem Regen und dem inneren Schweinehund bei den 71. Lauftagen in Herten Bertlich.

11.02.2007

von Christian Thiel

Bis Samstag Abend wollten Stefan Potthoff vom LSV Triathlon Team und Christian Thiel, der ja vom gleichen Team kommt, aber seit Anfang dieses Jahres in läuferischer Mission für den RTB unterwegs ist, zu zweit fahren. Das Marathonteam wäre nicht das Marathonteam, wäre Oli Witzke nicht kurzentschlossen dabei gewesen.

Für alle Drei sollte ihr Lauf eine Vorbereitung für einen Marathon sein. Für Oli und Christian der Bonn Marathon am 22.April und für Stefan, der sich wohl lieber ausreichend warm macht, bevor er einen Marathon läuft, der Ironman Germany in Frankfurt am 01.Juli.

So wollte Stefan den Halbmarathon laufen, Oli die 30 km unter seine Füße nehmen und Christian ließ den Tag nicht ohne die maximale Herausforderung - den Marathon - verstreichen.

Stefan, dessen Saisonaufbau sich noch in der Grundlage befindet, kam nicht ganz in Tritt und überquerte nach gleichmäßigem Lauf die Ziellinie nach 1:28:40. Bis zum Sommer sollen da noch vier Minuten wegschmelzen. Seine Zufriedenheit mit dem Lauf wird von seinen Saisonambitionen also noch übertroffen.

Oli hielt seine Konsequenz in der Marathonvorberitung aufrecht und lief die ersten 25 Kilometer in kontrolliertem Tempo. Einen einwöchigen Skiurlaub in den Beinen und das erledigte Laufpensum vor Augen, war die Einheit für ihn beendet.

Christian wollte ein wenig sein Marathontempo für den weiteren Trainingsaufbau testen. Die Vorgabe waren die ersten 30km in unter 2 Stunden, der Rest (und vielleicht eine neue Bestzeit) sollten Zugabe sein. Dumm nur, daß er sich dazu verleiten ließ, mit dem späteren Sieger (der schon letzten Dezember gewann) gemeinsam anzulaufen. So distanzieren beide mit einer Durchgangszeit von 38:59 bei km 10 den Rest des Feldes gehörig. Einer weiteren Beschleunigung konnte und wollte Christian dann nicht folgen und lief den Rest alleine (Und in Bertlich heißt alleine alleine!). Das drohende Ungemach in den Beinen spürend drosselte Christian nach 15 Kilometern das Tempo etwas, doch es war zu spät. Die letzte knappe Stunde war für ihn Schadensbegrenzung angesagt. Mit bleiernen Beinen (ein paar Pfund machten wohl schon das Wasser in den Schuhen aus ;-) es regnete ohne Unterlaß) schob er sich über die z.T. doch extrem löchrige Piste und zehrte von seinem Vorsprung auf den Rest des Feldes. Im Ziel waren es noch 8 Minuten - ja wäre da nicht ein Läufer aus Christians Altersklasse gewesen, der nach der Hälfte gehörig aufdrehte und mit wahnsinnigem Geschwindigkeitsüberschuß sich in einen Rausch laufend bei Kilometer 38 an Christian vorbeiflog. - Aber machen kann man da nichts. Und wenn man im Ziel dann nochmal zweieinhalb Minuten verloren hat, so ist das eben blöd, aber doch eine sportliche Entscheidung. Eine Auszeichnung gibt es in Bertlich nur für die Altersklassensieger, nicht aber für die Gesamtwertung.

Unterm Strich war es trotzdem ein erfolgreicher Test: Die Nahrungsaufnahme klappte spitzenmäßig, das Tempo stellte keine unüberwindbare Hürde dar und vor Allem: Mit 2:52:03 war eine neue Bestzeit herausgesprungen.

Kein Pokal für Niemanden des Remscheider Lauftriumvirats hatte zumindest den Vorzug eines zeitigen (Nach-)Mittagsessens. Man muß immer das Positive sehen; wir mußten nicht die Siegerehrung abwarten.

Jetzt kann das läuferische Frühjahr kommen. Winterlaufserie in Porz oder in Duisburg? Der Lauf ums Bayerkreuz? Der Railwayrun in Hattingen? Alles ist bereit, um bestritten zu werden. Die Lust am Laufen ist ungebrochen.


P.S.: Auf den Fotos zu sehen: Erstens der Marathonstart, zweitens die drei Protagonisten dieses Berichtes: Stefan und Christian vor der Kamera - Oli dahinter!