33. GutsMuths Rennsteiglauf

Diverse Remscheider in Thüringen

21.05.2005

Birgitt und Matthias Bioly haben es geschafft! 72,7 km, wesentlich schwieriger als der Röntgen-Ultralauf, in 8:28 bzw. 8:26 h. Auch die anderen (25 an der Zahl) Remscheider Teilnehmer waren erfolgreich. Inge Rabe und Carsten Hausmann wurden jeweils 3. in ihrer Altersklasse.

Platz

Name

Vorname

Zeit

Distanz

Datum

759. / AK 181.

Bioly

Matthias

8:26:16

72,7 km

21.05.2005

68. / AK 13.

Bioly

Birgitt

8:28:42

72,7 km

21.05.2005

Die Idee des Röntgen-Sport-Clubs war gut... unter der Organisation von Sportamtsleiter Bernd Fiedler und Röntgenlauf-Protagonist Peter Ickert wollte man an Europas größtem Crosslauf im Thüringer Wald teilnehmen und dabei proaktiv die beiden Veranstaltungen vergleichen. Birgitt und ich hatten uns dieser Reise angeschlossen und wollten erstmals den Rennsteig-Supermarathon über 72,7 Kilometer in Angriff nehmen.

Am Freitag, dem 20.5. ging´s um 10:00 Uhr mit dem Bus in Richtung Eisenach. An Bord waren 25 Personen, die meisten davon (10) hatten sich für die ultimative Herausforderung, den Supermarathon angemeldet. Der ebenso anspruchsvolle Marathon (der am Rennsteig nicht 42,195 sondern satte 43 Kilometer lang ist) fand bei 3 und der Halbmarathon bei 4 Teilnehmern Anklang. Die anderen Mitreisenden nahmen die unterschiedlichen Wander- und Walking-Strecken in Angriff.

Das Hotel in der Nähe von Eisenach entpuppte sich als einfach, aber zweckmäßig. Ohne eigene Küche ausgestattet hatte man am Freitagabend für ein umfangreiches Pasta-Menü gesorgt und auch das Frühstück vor dem Wettkampf (Samstag ab 4:15 !!!) war organisatorisch einwandfrei.

Am Freitag ging´s nach Eisenach um die Startunterlagen abzuholen. Und spätestens hier ging unser Röntgenlauf 1:0 in Führung. Zwar musste man nicht lange anstehen um seine Unterlagen zu erhalten, dafür bekam man Sicherheitsnadeln für die Startnummern nur nach ausdrücklichem Nachfragen quasi "unter der Theke" nachgereicht. Und für immer wird es mir ein Geheimnis bleiben, wie man einen nichtklebenden Zettel mit der Startnummer auf einem Plastikkleidersack so befestigen soll, dass dieser auch noch nach mehrmaligem Auf- und Abladen vom LKW fest sitzt. Für diesen Fall hatte Peter Ickert einen Schwung stabiler "Röntgensäcke" mit, der dann auch von allen genutzt wurde.

Der Wecker rappelte am Samstagmorgen gegen 3:45 Uhr, nach dem besagten Frühstück schnell noch ein Mannschaftsfoto im Morgengrauen und schon ging es für uns Supermarathonis mit dem Taxi nach Eisenach. Unser Bus brachte derweilen die "Halben" nach Oberhof und die Marathonis und Wanderer nach Neuhaus. Das waren gut und gerne nochmal zwei Stunden Fahrzeit.

Marktplatz Eisenach 5:30 Uhr in der Früh: Regen, bange Blicke gen Himmel, langsam und gelassen kommen die Ultras aus Ihren Quartieren. Keine Hektik, kein übertriebenes Aufwärmen, man lässt es ruhig angehen. Unmerklich füllt sich der Marktplatz mit über 1800 angemeldeten Läufer/innen. Wir haben das Gefühl, fast nur von Rennsteig-Routiniers, Alpengipfel-Bezwingern und Biel-Veteranen umgeben zu sein. So lassen zumindest die Trikots einer Vielzahl von Teilnehmern vermuten. Und wir sind mittendrin, zugegeben ziemlich nervös vor der vor uns liegenden Herausforderung. Aber irgendwie auch optimistisch, den "langen Kanten" zu besiegen ...

Birgitt hatte sich an Hand des Profils die Strecke gedanklich in 4 Abschnitte eingeteilt, für Leute wie uns ohne Streckenkenntnis eine hilfreiche Sache. Allerdings hatten wir uns von vorn herein vorgenommen, dass jeder sein eigenes Tempo läuft.

----bis km 25 ständig bergauf----I----27-40 "Flachpassage"----I----40-61 viele  Berge----I---rollen lassen--

Streckenprofil und Streckenführung ansehen

Abschnitt 1:
Pünktlich mit dem Startschuss um 6:00 Uhr hatte es aufgehört zu regnen. Die Karawane schiebt sich ein kurzes Stück durch die Fußgängerzone von Eisenach, um dann recht schnell (und recht steil) die Stadt zu verlassen. Nach 7,4 km mit 220 Höhenmetern erreichen wir an der "Hohen Sonne" den eigentlichen Rennsteigweg. Hier war früher einmal der Start des Rennsteiglaufes, aber wegen immer steigender Teilnehmerzahlen hat man die Strecke mehrfach verändern müssen. Bis hierher verläuft alles sehr beschaulich, wir haben Zeit zum "Einrollen", allerdings ist es wegen des vorangegangenen Regens ziemlich schwül. Birgitt und ich sind noch in Sichtweite, auch Bernd, Martin und Arnold gehen genauso vorsichtig an. Trotz ständigem Anstieg laufen hier die meisten noch. Das ändert sich etwa ab km 13, um mich herum verfallen die meisten am steilen Anstieg in schnelles Gehen. Bei km 18 an der Glasbachwiese kommt der erste Verpflegungsstand mit der kompletten Rennsteigpalette: Zum üblichen Wasser, Tee, Bananen und Äpfeln gibt es Schmalzbrote mit Schnittlauch und den legendären Haferschleim. Ich beschränke mich auf das Bewährte (Tee und Banane), und sehe zu, dass ich weiterkomme. Bis zum ersten "Etappenziel", dem Großen Inselsberg, geht es noch mehrmals steil in Gehpassagen bergan. Hier oben (910m) ist es ganz schön frisch und nebelig, es haben sich auch nur wenige Zuschauer hierhin verlaufen. Am Vorabend haben wir den Inselberg mit seinem markanten Turm und der Funkantenne noch erfurchtsvoll vom Hotel aus in der Ferne erspäht... Ein Blick auf die Uhr zeigt 2:52 Std. bei km 25, ein Schnitt von knapp unter 7 min/km, das ist ok.

Abschnitt 2:
Bevor die vermeintliche "Flachpassage" beginnt geht es erst mal ekelige 1,3 km brutal bergab. Vergleichbar mit dem Röntgenabschnitt zwischen Langenhaus und Heusiepen, nur zig-mal länger. Unten angekommen, hatte ich das Gefühl, meine Oberschenkel platzen gleich. Aber ein erneuter Verpflegungsstand in der Ausprägung eines mittleren Dorffestes halfen über diesen Schmerz hinweg. Im Nachhinein muss ich sagen, dass der nun folgende Streckenabschnitt der mental schwierigste für mich war. Zwar war er von der Strecke einigermaßen moderat, es standen nur einige kleinere Berge im Weg. Aber der Gedanke, schon ziemlich geschlaucht an km 30 anzukommen, und dann immerhin noch einen Marathon vor sich zu haben, zog mich zu diesem Zeitpunkt ganz schön runter. Mittlerweile hatte sich eine feste Gruppe von Läuferinnen und Läufern gebildet, die man immer wieder sah. Mal wurde ich überholt, mal lief ich wieder vorbei, zwischendurch ein paar Gespräche, das half über das vermeintliche Tief hinweg. Erst recht verschwunden war es, als vor mir der Verpflegungsstand "Ebertwiese" auftauchte. Hier stand ein riesiges Schild am Rand: "Die Hälfte ist geschafft". Und zur Belohnung riskiert ich hier einen Becher lauwarmen Haferschleim mit Blaubeeren... echt lecker !!! Wenn ich das Rezept rausbekomme, gibt´s den bei unserer nächsten Weihnachtsfeier... versprochen.

Abschnitt 3:
Ab jetzt wurde es wieder heftig. An der Stelle, wo beim Marathon üblicherweise der Mann mit dem Hammer lauert, begannen die Berge... und der Regen. Der Anstieg auf 900 m war völlig in Nebel gehüllt, zudem trieb uns starker Wind den Regen von vorne ins Gesicht. Auf den nächsten Kilometern kamen mir schon leichtere Berge wie die Tyroler Straße vor. Hinzu kam eine Wegbeschaffenheit, die fast ausschließlich aus Steinen und Wurzeln bestand. Höchste Vorsicht war geboten. Bergauf, bergab wechselte sich ab. Der Regen ließ nach und hörte dann irgendwann ganz auf. Irgendwann hörte ich Autogeräusche, höchst ungewöhnlich nach so langer Zeit in der Natur. Wir näherten uns dem "Rondell", der Verpflegungsstation oberhalb von Oberhof, direkt an der Biathlon-Weltcupstrecke gelegen. Hier, bei km 56 war auch das Ziel der 35 km -Wanderstrecke und somit ziemlich viel los. Sehr viele Wohnmobile hier oben und eine Superstimmung. Und natürlich wieder Verpflegung vom feinsten. Danach ging´s direkt wieder bergan, so daß ich mir noch einen Becher Cola mehr mit auf den Weg nahm, und den mit ein paar Apfelstückchen verputzte. Nach Wurstbroten, Gurken und geräucherten Bratwürstchen war mir immer noch nicht zu Mute. War wohl eher für die Wanderer gedacht. Einer dieser Rucksacktouristen hatte hier eine Flasche Schwarzbier im Anschlag... nicht hinsehen... noch 16 Kilometer... Der Anstieg zum Beerberg, dem höchsten Punkt der Strecke (973 m) war nicht so schlimm, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Die vielen Höhenmeter hatten wir schon vorher überwunden. Trotzdem musste die eine oder andere Gehpause am Berg sein.

Abschnitt 4:
Von nun an geht´s bergab...dachte ich mir, und wer mich kennt, weiß, dass das nicht zu meinen Lieblingsdisziplinen gehört. Zum Glück war das nicht so heftig wie vermutet, immer wieder mal ein ganz normales Flachstück oder eine kleine Steigung (die allerdings die Wirkung einer Himmelsleiter hatte). Kurz vor dem letzten Verpflegungsstand "Schmücke", bei km 64 tauchte Birgitt plötzlich neben mir auf. Und das ganz ohne Vorwarnung, so dass mir spontan herausrutschte: "Mensch, hast Du mich erschrocken!" Natürlich habe ich mich riesig gefreut, dass sie es wie ich bis hierher ohne große Probleme geschafft hatte. Erinnerungen an den Röntgenlauf 2004 wurden wach... Birgitt´s Downhill-Qualitäten waren mir bestens bekannt.

Aber ab hier ging es eh nicht mehr darum, wer wann im Ziel ist, die Hauptsache war: Wir sind kurz vor dem Ziel. Das 70-km-Schild ließ endlos auf sich warten, links unter uns war Schmiedefeld bereits zu sehen. Und irgendwann kam auch mal wieder eine geteerte Straße in Sicht. Hier stand eine nette Polizistin und rief mir zu: „Nur noch 300 Meter“. Um die Kurve und der Sportplatz von Schmiedefeld lag vor mir. Ein Spalier von Zuschauern brüllte jeden ins Ziel... einfach ein geiles Gefühl !!! Die Matte, GESCHAFFT, Jubel, Tränen, der Blick zurück. Gleich muss Birgitt kommen. Es dauert nicht lange, da sehe ich Ihre neongelbe Kappe, sie lacht und wir liegen uns in den Armen.

Im Ziel:
Natürlich waren die meisten aus unserer Gruppe schon im Ziel, einige bereits geduscht. Aber hier sind Zeiten nur eine informative Nebensache. Das wichtigste ist, die 72,7 km mit 1400-m-Bergauf- und 900-m- Bergab- Passagen überhaupt bewältigt zu haben. Versüßt durch eine Medaille, ein T-Shirt und ein leckeres Finisher-Köstritzer hatte das Ganze etwas von unserem ersten Marathon-Einlauf in Köln 1998. Duschen (auch 3 Stunden nach dem Siegereinlauf gab´s noch warmes Wasser !!!) und eine heiß ersehnte Thüringer Bratwurst runden das Ganze ab. Wir treffen einige Freunde von Tura-Süd, kurzer Erfahrungsaustausch, sie haben auch tolle Zeiten hingelegt.

Alle sind glücklich, aber geschafft. Der allgemeine Tenor aber lautet: Der Spaßfaktor hält sich auf solch einer Distanz in Grenzen... dem kann ich mich im Moment nur anschließen. Allerdings: Nach dem Lauf ist vor dem Lauf... Thomas und Martin sind in 4 Wochen für die 100-km-von Biel angemeldet.

Matthias Bioly

 

Die Ergebnisse aller Remscheider Teilnehmer:

Platz Gesamt

Vorname

Name

Verein

Zeit

Platz AK

AK

39

Thomas

Emde

Röntgen Sport Club

6:19:36

10

35

64

Carsten

Hausmann

Röntgen Sport Club

6:28:38

3

55

68

Volkmar

Nehmert

Tura Süd

6:31:42

4

55

161

Michael

Scholz

Röntgen Sport Club

6:57:22

37

45

192

Thomas

Schad

Tura Süd

7:02:45

56

40

8

Inge

Raabe

Tura Süd

7:11:15

3

40

224

Herbert

Werner

Tura Süd

7:11:50

56

45

312

Karl Heinz

Tews

LLG St. Augustin

7:30:46

18

55

507

Martin

Stürzl

BSG Delphi Draka

7:53:22

128

45

609

Bernd

Fiedler

Röntgen Sport Club

8:06:23

73

50

616

Arnold

Federer

Wermelskirchen

8:08:01

39

55

759

Matthias

Bioly

RTB

8:26:16

181

45

68

Birgitt

Bioly

RTB

8:28:42

13

45

1100

Peter

Ickert

Röntgen Sport Club

9:24:35

267

40

Gemeldet: 1867
Gestartet: 1672
Im Ziel: 1559 (1366 Männer, 193 Frauen)

Wer Lust auf weitere Eindrücke vom Rennsteig bekommen hat, findet diese bei  Laufreport,
oder mit schönen Bildern beim Team Bittel