20. Vienna-City-Marathon...warm war's

viele Remscheider beim Hitzemarathon

25.05.2003

(von Matthias Bioly)

Freitag, 23.5.2003, 20:00 Uhr, vor 20 Läuferinnen und Läufern und etwa der gleichen Anzahl Begleitpersonen liegen knapp 1000 Kilometer Busfahrt in Östereichs Hauptstadt. Ein bisschen Unbehagen habe ich schon vor der 12-stündigen Nachtfahrt, zumal einschlägige Trainingspläne die vorletzte Nacht vor einem Marathon als die wichtigste Ruhephase der Vorbereitung bezeichnen. Sicherheitshalber habe ich als "Schlaftropfen" etwas Dosenbier im Handgepäck (man kann ja nicht früh genug mit dem Hydrieren beginnen...) aber an ausgiebigen Schlaf ist auch damit nicht zu denken. Die Nacht wird in erster Linie durch den 4-stündigen Pausentakt des Busfahrers geprägt.

Gegen 9:00 Uhr am Samstag erreichen wir unser Hotel in der Donaumetropole. Wolkenlose 25 Grad geben uns einen Vorgeschmack auf das, was uns morgen erwarten soll. Bis zum Mittag werden 30° C vorausgesagt... Trotz einer gewissen Müdigkeit beschliessen wir, zunächst unsere Startunterlagen abzuholen. Die angegliederte Marathonmesse ist recht überschaubar und bietet überwiegend Gelegenheit, Energiedrinks und -riegel zu probieren und sich über die nächsten Marathonziele zu informieren. Das Angebot an Bekleidung und Schuhen ist im Vergleich zu deutschen Veranstaltungen eher gering. Bei den Startunterlagen finden wir einen Gutschein zur "Kaiserschmarrn-Party", der österreichischen Variante der Nudelparty. Da diese erst am Nachmittag und noch dazu an anderer Stelle als die Messe stattfindet, holen wir vorher im Hotel noch ein paar Stunden Schlaf nach.

Die süße Mehlspeise, garniert mit noch süßerem Pflaumenmus und ergänzt mit jeder Menge Kaffee vom Co-Sponsor "Tchibo" wurde zwar in einem gediegenen Ambiente inmitten des Wiener Stadtparks serviert, war aber aus ernährungstechnischer Sicht ziemlich daneben. Sicherheitshalber suchten wir uns am Abend noch einen Platz beim Italiener und luden noch eine letzte Portion Spaghettis nach.

Tja, und als letzte Tat des Tages verabschiedete ich mich schweren Herzens von meinem heimlichen Traum... Ich hatte auf 3:30 Std. trainiert, aber warum sollte ich ausgerechnet bei diesen Temperaturen etwas ausprobieren, was mir vorher noch nie gelungen ist. Also beschließe ich, statt des geplanten 5er-Schnitts um die 5:30 Minuten/km zu laufen, diese Entscheidung lässt mich beruhigt einschlafen.

Sonntag, Marathon-Tag, 5:30 Uhr Aufstehen, 6:00 Uhr Mini-Frühstück, 7:00 Uhr Abfahrt mit der U-Bahn zum Start (22°C). Gegen 8:00 Uhr erreichen wir den Startbereich "Uno-City", eine zwischen Donau und Alter Donau gelegene Halbinsel, die von ihrer Skyline eher an Frankfurt erinnert und so gar nicht zum restlichen Wien passt. Hier merken wir zum ersten Mal, warum der Veranstalter immer von etwa 22.000 Teilnehmern spricht. Zu den knapp 10.000 gemeldeten Marathonis kommen noch etwa 12.000 Teilnehmer der Fernwärmelaufs (16 km) , eines Staffelmarathons sowie eines Fun-Runs über 6,8 Kilometer hinzu, die alle zur gleichen Zeit starten sollen. Aber der sehr großzügige Startbereich verkraftet diese Zahl locker. Einziges Manko: es gab kaum Schatten bei mittlerweile 25 Grad.

Dann endlich ist es so weit: Pünktlich um 9:00 Uhr setzt sich das Feld in Bewegung. Vierspurig überqueren wir die Donau über die Reichsbrücke, es ist viel Platz, so dass man von Beginn an gut in Tritt kommt. Auch die nächsten Kilometer über den inneren Ring sind angenehm breit, dennoch suchen die meisten den schmalen Streifen Schatten, den die Bäume oder Häuser bieten. Bei Kilometer 5 in der Nähe der Staatsoper erreichen wir den ersten Getränkestand. Hier herrscht erwartungsgemäß großes Gedränge, aber mit der nötigen Gelassenheit fische ich mir zwei Becher Wasser aus dem Gewusel, einen trinken, einen über den Kopf, weiter geht´s. Die Strecke führt jetzt entlang des Flusses Wien, Namensgeber der Stadt, stadtauswärts. Zum Glück weht hier ein leichter Wind, der über die hohen Temperaturen etwas hinwegtäuscht. Kilometer 10 passiere ich nach 54:22 Minuten, knapp unter 5:30er Schnitt, alles im grünen Bereich. Kurz danach erreichen wir den höchsten Punkt der Strecke, ab hier geht es drei Kilometer über die Mariahilfer Straße, die Einkaufsstraße der Wiener, hinunter. Und an deren Ende, ziemlich genau bei Kilometer 15, traue ich meinen Augen nicht: Da stehen Udo und Oliver mit einem Plakat in den Händen: "Udo & Oli grüßen die Remscheider...Viel Glück". Ich entdecke die beiden, bevor sie mich sehen und brülle ihnen zu : "Ihr Verrückten.." oder so ähnlich. denn wer solch eine Entfernung "nur zum Gucken" auf sich nimmt, muss schon ein bisschen verrückt sein. Die nächsten Kilometer habe ich erst mal damit zu tun, das Gesehene zu verarbeiten. Wären mir die beiden erstmals bei Kilometer 36 begegnet, hätte ich sie wohl für eine Fata Morgana im heißen Wien gehalten. Aber hier, bei Kilometer 15 habe ich eigentlich noch alles unter Kontrolle...

So vergehen die nächsten Kilometer wie im Flug, die zweiten 10 km lege ich auf die Sekunde in der gleichen Zeit zurück, wie die ersten, kurz danach der Halbmarathon 1:54:43 Std, alles ok. Bei Kilometer 22 sind Udo und Oli wieder da, diesmal haben sie mich schon von weitem erspäht. Oli steht mit gezückter Kamera vor mir auf der Straße, spätestens jetzt glaube ich, dass sie wirklich hier sind. Die nächsten Kilometer bieten wenig Schatten, dafür gibt es ab jetzt Verpflegungsstände alle 2,5 Kilometer. Bananen, Iso-Getränke, Wasser, alles ist reichlich vorhanden. Nach Kilometer 25 geht´s (für gut 10 km) ab in den Prater. Hier führt die Strecke zwar ausschließlich über Wendepunkte hin und zurück, was mich zu diesem Zeitpunkt etwas herunterzog, dafür war es aber hier überwiegend schattig. Der Prater besteht nur zu einem ganz geringen Teil aus Rummel und Riesenrad, das meiste sind große Grünflächen mit altem Baumbestand. Und einer dieser Bäume, kurz nach Kilometer 35, lud mich ein, einen Teil des bis dahin in mich aufgenommenen Wassers an ihn abzugeben. Diese kurze "Stehpause" nimmt mein Körper zum Anlass, mir das Weiterlaufen zu verweigern. Der Befehl "Laufen" aus meinem Kopf kommt in meinen Beinen nur noch mit "Gehen" an. In der Ferne sehe ich einen Getränkestand. Bis dahin, denke ich, danach wird wieder gelaufen. Und siehe da, es klappt...

Die letzten 6 Kilometer (Eselsbrücke: Nur noch zweimal um die Talsperre !!) laufe ich trotz strahlendem Sonnenschein wie in einem Tunnel. Und am Ende dieses Tunnels taucht plötzlich das Burgtor auf, der Eingang zur Hofburg, dem Heldenplatz, dem ZIEL !!! Und nichts passt an diesem Tag besser zu jedem Finisher, als der Name dieses imposanten Platzes...

Im Ziel treffen wir dann noch mal auf Udo und Oliver, sie wollen (bzw. müssen) gleich wieder zurück. Und jetzt wird mir erst mal so richtig klar: Sie sind wegen uns gekommen...Verrückte eben...Danke dafür !!!

Alle 20 Remscheider Teilnehmer erreichten (zum Glück) unversehrt das Ziel und standen am Abend bei einer zünftigen "Anti-Pasta-Party" schon wieder ihren Mann/Frau. Ein besonderer Dank an dieser Stelle an Michael Scholz: der Abteilungsleiter des RSV-Running-Teams hat diese Fahrt hervorragend organisiert. Bus, Hotel, Wetter, Stimmung waren tadellos, und zwei herrliche Tage in Wien nach dem Lauf (einschl. Stadtrundfahrt) entschädigten mächtig für die 14-stündige Rückfahrt....

Auf ein Neues

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Platz Ges

Name

Vorname

Verein

Zeit

342

Kopp

Dieter

Remscheider SV

3:09:27

429

Scholz

Michael

Remscheider SV

3:13:16

602

Ehlich

Markus

Remscheider SV

3:18:57

603

Velten

Sascha

Remscheider SV

3:18:57

1368

Biesenbach

Stephan

Remscheider SV

3:37:33

1622

Dallmann

Frank

Tura RS-Süd

3:42:02

2525

Bioly

Matthias

RTB Marathon Team

3:55:16

2546

Fiedler

Bernd

Delphi Draka Wuppertal

3:55:39

2693

Raabe

Inge

Tura RS-Süd

3:57:26

3229

Jakobs

Silvia

Tura RS-Süd

4:04:50

3371

Jungjohann

Martina

Remscheider SV

4:06:41

4039

vom Wege

Frank

RTB Marathon Team

4:16:11

4137

Bioly

Birgitt

RTB Marathon Team

4:17:41

4658

Kuhl

Michael

RTB Marathon Team

4:25:42

5171

Lihs

Siegfried

Tura RS-Süd

4:33:09

5173

Lückel

Britta

Remscheider SV

4:33:11

5703

Kakies

Siegfried

Tura RS-Süd

4:41:40

6857

Reuber

Rudolf

SG Altstadt Lennep

5:05:00

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