"Asics Dauerlauf im Severinsviertel"

Das große Kölner Zick-Zack-Gegenwind-Abenteuer

27.04.2003

Sonntag, der 27.4.2003: Schon zum 19.Male wird der "Asics-Dauerlauf im Severinsviertel" ausgetragen und wie in den Vorjahren erfreut sich auch dieses Mal der Lauf größter Beliebtheit - auch meine Wenigkeit hat sich in diesem Jahr den vielfach wegen seiner Stimmung gerühmten Lauf ausgesucht.

Vielleicht hätte es mir bei der Anmeldung schon Warnung genug sein müssen, dass im vergangenen Jahr der Start aufgrund von Problemen bei der Startnummernausgabe um eine halbe Stunde verschoben werden musste. Warum dies so war, durfte auch ich dieses Jahr "hautnah" erleben. Zwar wurde heuer der Startschuss letztlich pünktlich gegeben, doch organisationstechnisch ist der Lauf eindeutig an den Grenzen des Machbaren angesiedelt. 1500 Läuferinnen und Läufer mit Startnummern und Zeitmess-Chips auszustatten, ist ein zeitaufwändiges Unterfangen, das von den 6-7 Helfern nur mit großer Mühe bewältigt wurde - eine Wartezeit von bis zu einer Stunde für manche Läufer war die Folge.

In einer wabernden, schwitzenden und sich kaum fortbewegenden Menge zum Warten eingezwängt zu sein, ist kein wirkliches Vergnügen und bedeutete einen nicht eingeplanten Zeitverlust. Folge: Das Einlaufen fiel aus - keine gute Voraussetzung für einen gelungenen 10-km-Lauf. Weitere persönliche Problemchen (zu wenig Schlaf) sorgten so schon vor dem Start für ein kleines Handicap; das persönliche Ziel für diesen Lauf - eine neue Bestzeit - schien nun schwerer erreichbar zu sein als vorher "angekündigt".

Nicht ganz pünktlich ging es dann los, denn die nächste Herausforderung war es, 1500 Läufer in einem relativ engen Startbereich unterzubringen. Ein immer neues Sortieren, Schieben und Zurechtrücken bis die Champion-Chip-Matte aktiviert werden konnte, steigerte die Nervosität weiter.

12:06 Uhr: Endlich - Schuss und los! Leichter gesagt als getan, denn wie immer sind zunächst einige seeehr langsame Läufer zu überholen. Zick-Zack auf den ersten Metern.... Doch dann "läuft" es. Die Stimmung ist gut, die Strecke - zumindest im ersten Teil - von einigen tausend Zuschauern gesäumt. Zu laufen sind etwas mehr als drei Runden, die zunächst von der Severinstorburg (Köln-Marathon: km 40) durch das Severinsviertel führen. Der Rückweg folgt dann der Rheinuferstraße bevor wieder der Start an der Severinstorburg erreicht wird.

Zurück zum Rennen: 3:40, 3:45, 3:50 - wo ist der erste Kilometer? So langsam bin ich doch nun auch nicht, habe ich etwas übersehen? Auch Kilometer 2 ist nicht zu erkennen und mir schwant Böses. Auf dieser Strecke gibt es nämlich keinen Anhaltspunkt - nichts, wirklich gar nichts. Ein weiteres Handicap... Egal - weiterlaufen bis die Lunge hochkommt... Nur - auch das funktioniert nicht richtig, denn der Gegenwind auf der Rheinuferstraße ist erheblich. Also durchkämpfen - wieder zum Start mit toller Stimmung und ab in die nächste Runde. 12:10 für etwas mehr als 3 Kilometer, das geht ja noch, aber schon jetzt merke ich, dass die geplanten 37 Minuten wahrscheinlich nicht zu unterbieten sind. Viele sehr enge Kurven, der Gegenwind und mein eigener "innerer Schweinehund" machen mir einen dicken Strich durch die Rechnung.

Kilometer 6: Die erste Überrundung der langsamsten Läuferin - und ab Kilometer 7/8 kommt es "ganz dicke". Ein immer dichter werdendes Meer langsamer Läufer verlangt höchste Konzentration beim Überholen - viel schlimmer aber: Eine gerade Linie ist nahezu nicht mehr zu laufen - auch das ein Nachteil der sehr hohen Teilnehmerzahl auf einem relativ kurzen Rundkurs. Aber: Schlapp machen gilt nicht - die letzten Meter werden noch einmal mit Maximalgeschwindigkeit genommen, denn im Ziel warten Erbsensuppe und zwei leckere Kölsch auf jeden Läufer. Damit kann ich mich doch noch einmal motivieren (...wer zuerst kommt, ...); die Bestzeit ist trotz aller Probleme ebenfalls noch in erreichbarer Nähe und nun zählt jede Sekunde... Die Severinsstorburg wird zum letzten Mal durchlaufen, die Sambagruppe gibt ebenso wie jeder Läufer ihr Bestes. Ein letztes Zick-Zack-Laufen, um den Zielkanal zu erreichen: 37:46...47...48...37:49 - Fuss nach vorn und geschafft. Neue persönliche Bestzeit, doch unter anderen Umständen wäre mehr drin gewesen.

Na ja - man kann nicht alles haben. Denn: 1500 Läufer am Start machen zwar bei der Organisation Probleme, sorgen aber auch für ein großes Sponsoreninteresse. Und von dieser Warte ist der Lauf gut organisiert. Verschiedene Getränke im Zielbereich, kostenlose Erbsensuppe, zwei Kölsch und ein sehr gut gefüllter Teilnehmerbeutel (Funktionsshirt, verschiedene Energieriegel, Shampoo, eine Trinkflasche und eine Tageskarte für die Mauritiustherme) machen die Startgebühr (EUR 12.--) zu einem Schnäppchen.

Sieht man einmal vom Startnummerndesaster ab, mag dieser Lauf für "Genußläufer" aufgrund der hervorragenden Stimmung und der guten Verpflegung eine gute Wahl sein, zudem auch noch nach dem Lauf Volksfestcharakter herrscht. Eine "Hochgeschwindigkeitsstrecke" ist dieser Kurs jedoch nicht und für Bestzeitenjäger gibt es definitiv Besseres.

Holger Hasenclever

Zu den Fotos

Zum Bericht bei Laufen-in-Koeln.de

Platz Ges

Platz AK

Name, Vorname

Gebjahr

Strecke

Zeit

52/1041

6/187

Hasenclever, Holger

1973

10 km

00:37:49