Rheinenergie-Marathon Bonn 06.04.2003

Tolles Marathon-Debut von Ralph Schumann

06.04.2003

Auch bei einem Frühjahrsmarathon können gute Leistungen erzielt werden!

Dies bewiesen Ralph Schumann bei seinem Marathon-Debut (3:15:03), RTB-Neuzugang Martin Schulze (3:17:56) und Oliver Witzke (3:44:41), der trotz heftiger Blasen unter beiden Füssen durchlief.

Erst mit der Aufstellung im Startblock wichen unsere Nervosität und Anspannung. Bei optimalen Laufwetter gingen wir mit rund 3.200 Läuferinnen und Läufern auf die Strecke, die ohne nennenswerte Steigungen durch die Bonner Innenstadt, über die Stadtteile Beuel, Mehlem und Bad Godesberg und zurück zum Start-Zielbereich auf dem Rathausplatz führte.

Voraussetzung waren zahlreiche Trainingskilometer seit Beginn diesen Jahres. Wind und Wetter haben uns nicht davon abgehalten, durchschnittlich 80 Kilometer pro Woche zu trainieren. Doch bei diesem Lauf haben wir am eigenem Leib erfahren, was die Aussage „Ein Marathon beginnt erst richtig beim Kilometer 35“ bedeutet.

Martin, Oliver, Ralph

PS.: Holgers Bestzeit (3:10:33) ist eine klasse Leistung, aber ob sie ewig Bestand haben wird ?

Zu den Fotos

 

Platz Ges

Platz AK

Name, Vorname

Gebjahr

Altersklasse

Zeit

349./2697

47./296

Schumann, Ralph

1971

M30

03:15:03

402./2697

46./254

Schulze, Martin

1979

MHK

03:17:56

1112./2697

94./254

Witzke, Oliver

1974

MHK

03:44:39

Nachlese zum RheinEnergie Marathon Bonn

Barcelona, 16.März 2003. Holger Hasenclever eröffnet die Marathonsaison für das RTB-Team mit einer Laufzeit von 3:10:33 Std.

Remscheid, 17.März 2003. Holgers Verbesserung um 17 Minuten spricht sich schnell herum.

Bonn, 6.April 2003. Drei Hobbyläufer aus Remscheid wollen nachlegen. Martin Schulze, Oliver Witzke und Ralph Schumann stehen nervös und angespannt im Startblock.

9:45 Uhr, Startschuss. Nach 5 Minuten Gedrängel ist der 1.Kilometer geschafft. Es ist zwar lausig kalt, nur 6°C, aber Sonnenschein und die Stimmung des begeisterten Bonner Publikums stecken an. Eine flache Strecke tut ihr Übriges. Wir werden schneller, laufen einen Schnitt von unter 4:30 min/km.

Kilometer 10,5 - meine Ansprüche an mich selbst (3:15 Std.) fallen schnell heftigster Blasenbildung unter beiden Füßen zum Opfer. Die Enttäuschung nach 12 Wochen intensiver Vorbereitung, durchschnittlich 80 Kilometer in der Woche, bei Wind und Wetter über Stock und Stein, ist riesig - ICH DENKE AN AUFGABE!!!

Martin und Ralph (beide mit gleichem Trainingspensum) ziehen davon. Für die beiden wird es gut laufen. Für Martin bis Kilometer 28, dann werden seine Beine härter. Er kann Ralph nicht mehr folgen und muss spätestens ab jetzt sein eigenes Rennen laufen und mit den restlichen Kräften haushalten.

Martin, dessen bisheriger Verein „Run to the hills“ vor der Auflösung steht, da die Mitgliederzahl um 50% von 2 auf 1 gesunken ist, will sich in Zukunft unserem Marathon-Team anschließen. Doch zuvor gibt es Wichtigeres - Ankommen.

Er schafft es in 3:18:56 Std. - einfach toll (seine bisherige Bestzeit stand bei 4:12 Std.!!!)

Ralph suchte also das Weite. So etwas wie im Training - eine längere Toilettenpause bei McDonald´s - sollte ihm heute nicht passieren. Zwar hatte ich ihm einige Filialen der Fast-Food-Kette entlang der Strecke empfohlen, doch er hatte vor dem Start eines der beliebten Dixi-Klos längere Zeit für sich in Beschlag genommen.

Jetzt kann ihn nichts und niemand mehr aufhalten - denkt er. Wäre da nicht der ominöse Kilometer 35! Bis hierhin war noch alles o.k. Gerade an seiner Freundin Uta und einigen Lauffreunden an der Strecke vorbeigelaufen, verlassen ihn eine Kurve später schlagartig die Kräfte. Jeder Marathoni weiß, was jetzt kommt. Für alle anderen sei´s erklärt. Ralph läuft noch bis km 38 "so lala" weiter, dann Gehpausen - immer abwechselnd - km 40, er bleibt stehen. Die letzte Verpflegungsstelle wird voll ausgekostet. Er kann sich noch einmal aufraffen, bekommt kurz danach Unterstützung von einem Radfahrer, der ihm seine Trinkflasche reicht. Kurz vor dem Ziel zieht Michael Schmitz vom RSV Running-Team (3:14:56 Std.) an ihm vorbei, hat aufmunternde Worte parat, macht Mut. So abgedroschen es klingen mag: Die Läufer sind eine große Familie.

Dann hat er es geschafft, das Ziel vor Augen, der Tunnelblick: GESCHAFFT!!!

Ralph erzielt bei seinem ersten Marathon eine Zeit von 3:15:03 Std.

IRRE!!! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH RALPH!!!

Im Ziel kann er sich im ersten Augenblick kaum darüber freuen, zu groß waren die Strapazen, jeder Schritt tut jetzt weh. Aber zwei Tage später sieht das alles schon ganz anders aus. Die Schmerzen weichen dem Stolz.

Stolz bin auch ich, nicht unbedingt über meine Zeit von 3:44:41 Std., sondern vielmehr darüber, überhaupt angekommen zu sein. Das war diese Mal viel schwieriger als beim Röntgen-Marathon.

Hier ein paar Dinge, die mir unterwegs durch den Kopf gingen:

Start - Schweiß - Unterstützung - Euphorie - Schmerzen - Training - Kampf - Begeisterung - eigene Erwartungen - Realität - Adrenalin - Spaß - Nudelparty - Muskelkater - Freundschaft/Laufgemeinschaft - Ziel

Einen Marathon kann man nur versuchen zu beschreiben...

...nur wer die 42,195 Kilometer gelaufen ist, weiß wovon die Rede ist. Einen Versuch ist es wert... ...danach bist du ein anderer.

Oliver Witzke